Steuerfalle DeFi?


  1*PQj4UZ5WlC_EzKQbryz5XQ.png Bilder von Clker-Free-Vector-Images und GraphicMama-team auf Pixabay, eigene Montage

Steuer und Krypto ist natürlich a) ein Riesen-Thema, das b) mit vielen Unklarheiten verbunden ist, und c) bin ich sowas von kein Steuerberater und stecke in dem Thema auch sonst nicht tiefer drin. Aber: Ich habe ein paar Schlussfolgerungen für mich gezogen, die mich davor bewahren sollen, bei allem Spaß an der DeFi-Freude die Steuer komplett zu vergessen und mich hinterher zu ärgern. Schaut sie euch an, und danach: DYOR!

Vorab: I ❤ Steuern

Ich bin nicht gegen Steuern, im Gegenteil. Versteuerte Gewinne sind immer noch Gewinne! Aber ich bin auch ein Kleinstanleger und stelle fest, wie leicht es ist, sich aus Versehen der Freigrenze zu nähern. Brächten mich ein paar Euro DeFi-Zinsen drüber, wäre der ganze Aufwand nicht nur für die Katz, sondern hätte mir netto echte Verluste gebracht. Darum lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Gerade wieder aktuell, aber auch schon vorher bedenkenswert

Auch wenn meine Schlussfolgerungen wenig damit zu tun haben, wie die feinen Unterschiede der Besteuerung verschiedener Ertragsarten und die Regelung von Haltefristen genau sind … Ja, es gibt diesbezüglich gerade eher unerfreuliche News für DeFi-Nutzer:innen. Dazu unten einige weiterführende Links.

Meine Steuergedanken in Bezug auf DeFi habe ich mir allerdings schon vorher gemacht. Und sie kamen auch da schon bei der Botschaft an mich selbst heraus: Beschränke dich, insbesondere bei der Anzahl der genutzten Coins und Token. Leider!

 

Aber warum nicht einfach Machen, Machen, Machen?

Weil es eben gerade am Anfang und als Kleinanleger:in schnell passieren kann, dass die steuerlichen Auswirkungen unserer unschlagbar aussehenden DeFi-Renditen dazu führen, dass du aufs Gesamtportfolio gesehen mehr verlierst als sie dir gebracht haben werden. Und das kommt durch zwei absolute Binsenweisheiten, deren Detail-Auswirkungen man aber im Eifer des Gefechts allzu leicht vergisst:

  • Jede Transaktion kann steuerlich relevant sein. Die meisten sind es auch ganz direkt.
  • Kryptowährungen schwanken in ihrem FIAT-Wert teils sehr schnell sehr stark. Das skaliert die steuerlichen Auswirkungen.

 

Hauptproblem: mit immer mehr Währungen immer mehr machen

Spaß macht DeFi ja eigentlich erst richtig, wenn ich mit mehreren Währungen, Währungspaaren, auf mehreren Plattformen und/oder Blockchains nach den gerade jeweils besten Deals suche — und sie auch nutze. Steuerlich ungünstig daran:

  • immer mehr neu angeschaffte Währungen, deren Haltefrist also erst beginnt
  • Beim Einstieg auf eine neue Blockchain erstmal nur Bestände einer Währung mitbringen. Weil ETH oder BNB oder MATIC ja sowieso für die Gebühren gebraucht werden und die einmaligen “Migrationskosten” im Rahmen bleiben sollen. Davon kann man ja dann “vor Ort” kaufen, was man staken, liquitity-minen, farmen, lenden oder sonstwas will … Nur leider ist jeder Kauf steuerlich auch ein Verkauf, in dem Fall ein Verkauf der “mitgebrachten” Währung.
  • Zwischen verschiedenen Instrumenten, Pools, Vaults etc. wird gerne mal gewechselt, und dadurch mal schnell noch hier und da ein Token gegen den anderen geswapt ... nun ja, siehe oben.
  • Ach und warum eigentlich nicht alles, was auf Binance* liegt, dortselbst im “Earn”-Bereich nebenbei bisschen wachsen lassen? Aber wenn ich es richtig verstehe, verlängert sich dadurch die Haltefrist nun tatsächlich immens.
  • Und währenddessen schwanken alle Währungen munter im Preis, wenn du nicht ausschließlich mit Stablecoins arbeitest. Weißt du immer, wie viel Gewinn du gerade nebenbei steuerlich relevant realisierst?

Selbst wenn die Haltefrist für alles nur ein Jahr betrüge oder sogar noch kürzer wäre, hätten wir ein Problem: Sehr viele verschiedene Währungen mit gerade erst begonnener Haltefrist im Depot. Steuerfreie Gewinnmitnahmen sind kaum oder gar nicht mehr möglich. Und wenn (fast?) jede DeFi-Nutzung nun wirklich eine Haltefristverlängerung auf 10 Jahre auslöst und du irgendwann mit all deinen Währungen etwas “angestellt” hast … is klar, ne?

Naja, aber versteuert werden doch nur die Gewinne, ist doch halb so wild? Nun, nach wenigen Monaten (also unter 1 Jahr) war bei mir z.B. BNB so stark im Plus, dass jeder Kauf damit 50 % bis 80 % realisierten Gewinn bedeutet hätte. Wenn unsere Kryptos schön steigen, läppert sich das sehr sehr schnell.

Vor allem: Steuerlich gilt für gewöhnlich “FIFO” (First in First out), es werden also immer die ältesten Teile deiner Bestände verkauft. Und hoffentlich hast du günstig zu kaufen begonnen, also ist schnell viel mehr zu versteuernder Gewinn in der Transaktion, als man denkt.

 

Probleme Probleme Probleme — und die Lösung?

Es gibt tatsächlich Stimmen, die mit guten Argumenten sagen: Lasst es. Mit der deutschen Steuersituation lohnt sich DeFi zumindest für Privatanleger:innen im Vergleich zu Buy & Hodl nicht, sondern schadet eher. Zumindest wenn man nicht wirklich “for dear life” hodlen möchte, sondern sich die Möglichkeit erhalten will, zumindest mal Teilgewinne mitzunehmen.

Ich habe aber eben Spaß an DeFi — und mir ein paar Richtlinien gegeben, mit denen ich finde, dass es eben doch ganz gut geht:

  • Vor allem nicht zu viele verschiedene Währungen einsetzen und zukaufen! Wenn ich bewusst selektiere, weiß ich, dass ich diese paar Währungen meinetwegen nie mehr steuerfrei verkaufen kann. Aber genug “unangetastete” andere nach der kürzeren Frist schon. Und wenn ich den “DeFi-betroffenen” Anteil begrenzt halte, habe ja auch noch Chancen, Jahr für Jahr noch einiges unter der steuerlichen Freigrenze machen zu können. Die gibt es ja immerhin auch noch. :)
  • Oder bin ich mit der für (DeFi-)Käufe genutzten Währung gerade sowieso +/- 0 oder im Minus? Dann kann ich genau mit dieser aktiv sein und nehme etwaige Verluste sogar gerne steuerlich mit, um wenigstens Zinsen bis zum nächsten Bullrun zu sammeln. Aber Achtung! Gilt das Minus auch wirklich für die ältesten Bestände oder nur im Durchschnitt? Und: Wenn das Zeug wieder gestiegen sein wird, kann es erneut knifflig werden!
  • Ein Tracking-und Steuertool ist bei all dem unerlässlich. Denn auch wenn es meine DeFi-Aktivitäten selbst nicht oder nur teilweise mitschneiden kann: Es kann es mir vor jeder Aktion sagen, wie es haltefrist- und FIFO-gewinn-technisch mit Coin x oder Token y bei mir aussieht. Ich z.B. nutze dazu CoinTracking*.
  • Und wo und wie kann ich auch Stablecoins lukrativ einsetzen, bei denen mir die Haltefrist egal sein kann?

So oder so. Im Gegensatz zu sturem, passiven Buy & Hodl kommt ihr als DeFi-User:innen nicht darum herum, euch mit dem Thema Steuer auseinanderzusetzen. Informiert euch! Und dafür nun gleich ein paar Links zum Einstieg. Viel Glück — und Erfolg!


 

Aktuelles und Grundsätzliches zu Krypto und Steuern

Neu (Juni ‘21):

Bundesfinanzministerium verschärft Besteuerung von Kryptowährungen
Die Politik nimmt den Krypto-Markt zurzeit unter Dauerbeschuss. Das Bundesfinanzministerium (BMF) will einen…www.btc-echo.de
 

Grundsätzlich zum Einstieg:

Bitcoin und Steuer
Besteuerung von Kryptowährungen und Token Bitcoin und andere kryptographische Währungen sind - anders als der Euro …www.winheller.com


 

Disclaimer

Dieser Beitrag erschien zuerst unter https://cabronski.medium.com/steuerfalle-defi-af6985bb521b

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Geldanlagen und insbesondere das Halten von und agieren mit Kryptowährungen ist mit teils erheblichen Risiken bis zum Totalverlust behaftet. Die von mir publizierten Texte stellen keine Anlageberatung, keine Steuerberatung oder irgendeine Form von Empfehlung dar. Sie berichten nur von persönlichen Erfahrungen und Überlegungen und dienen allein der Bildung und der privaten Unterhaltung. Ich könnte an jeder Stelle auch komplett falsch liegen.

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Kryptoanfänger
Kryptoanfänger

Absolute beginner AND contributing only in German. WTF? Why??? :)


Krypto und anderes Geld
Krypto und anderes Geld

Von einem Anfänger für Anfänger in der unübersichtlichen Welt von Kryptowährungen und auch anderem Geld. Wie geht das jetzt genau und vor welchen – eben – Anfängerfehlern warnt einen niemand? Inhalte auf deutsch und teils übernommen von https://cabronski.medium.com/ Disclaimer: Keine Finanz- oder Anlageberatung, keine Steuerberatung, überhaupt keine Beratung! Ich teile lediglich persönliche Erfahrungsberichte und mein Verständnis von Dingen. Das kann Fehler enthalten.

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