MMT/ Modern Monetary Theory

MMT/ Modern Monetary Theory

By deZentrale.at | deZentrale.at | 16 Feb 2020


Ich habe vor einiger Zeit drei Videos zum Thema MMT, Modern Monetary Theory hochgeladen. Die Links findet Ihr am Ende des Artikels.

Da dieses Thema mittlerweile auch in Europa immer wieder zur Sprache kommt, möchte ich mit diesem Post auch schriftlich darauf eingehen.

 

Ich selber sehe mich als Anhänger der österreichische Schule, welche in Bezug auf MMT, die genau entgegen gesetzte Meinung vertritt.

Es würde mich sehr freuen, wenn Leser mit einer anderen Einstellung in den Kommentaren ihre Sicht der Dinge posten würden.

 

Doch nun zum eigentlichen Thema: Modern Monetary Theory, kurz MMT.

 

Ich beziehe mich bei diesem Artikel auf die Aussagen und Ansichten von Warren Mosler, welcher folgendes Buch veröffentlichte:

 

SEVEN DEADLY INNOCENT FRAUDS OF ECONOMIC POLICY

 

Nachfolgend die gängigen Aussagen welche von MMT abgelehnt werden:

 

  1. Der Staat braucht Steuereinnahmen und muss sich Geld ausleihen um seine Aufgaben zu erfüllen.

  2. Die Staatsverschuldung führt dazu, dass zukünftige Generationen darunter zu leiden haben.

  3. Staatsschulden verringern angespartes privates Vermögen

  4. Die Renten können nicht bezahlt werden.

  5. Handelsdefizite sind nicht nachhaltig und gefährden Jobs im Inland

  6. Wir brauchen finanzielle Rücklagen um Investitionen zu tätigen.

  7. Höhere Staatsverschuldung heute bedeutet höhere Steuern in der Zukunft.

 

Ich versuche jetzt mal das Grundkonzept von MMT in möglichst kurzen Wörtern zusammen zu fassen:

 

MMT sagt, dass der Staat nur Steuern erhebt um dem Dollar einen Wert zu zuweisen und damit Bürger überhaupt arbeiten. Bewohner müssen arbeiten um Dollars zu verdienen, damit sie ihre Schulden beim Staat in Form von Steuern bezahlen können. MMT sagt, dass über die Erhebung von Steuern die Inflation gesteuert werden soll.

MMT geht von folgender Annahme aus:

Die sich im Umlauf befindliche Währungsmenge muss ausreichen, um alle Produkte und Dienstleistungen die in einem Jahr produziert werden, zu konsumieren. MMT bezieht sich auf die echte Inflation als Massstab ( wenn z.B. die Wirtschaft um 2% wächst muss auch die Währungsmenge M3 um 2% wachsen), was durchaus richtig ist. Nur will MMT die Währungsmenge nicht durch Geldpolitische Massnahmen der Notenbank beeinflussen, sondern durch das erhöhen oder senken der Steuern.

MMT sagt auch, dass der Staat jederzeit, auf Knopfdruck, Währung „ drucken“ kann. Demzufolge kann ein Staat auch nie Pleite gehen, da er ja seine Schulden oder Ausgaben jederzeit per Knopfdruck bezahlen kann. Das impliziert, dass staatliche Renten- oder Pensionsansprüche jederzeit sicher sind. Bei den Rentnern sieht MMT ein anderes Problem, dass nämlich, aufgrund der Alterspyramide, immer weniger Arbeitskräfte die Arbeit von den Babyboomern erledigen müssen. Diesem Problem will MMT mit einer staatlichen Verteilung der Produkte und Dienstleistungen entgegen treten.

Da auch zukünftige Generationen genau so handeln, ist es unmöglich, dass sich das heutige Staatsdefizit in irgend einer Form auf kommende Generationen auswirkt.

Eine weitere Aussage von MMT ist, dass alle Ausgaben die der Staat tätigt, eins zu eins als Vermögen an die Bevölkerung übergeht. Wenn also der Staat Gebäude baut, Infrastruktur errichtet oder seinen Beamten Gehälter zahlt, so gehen diese Staatsausgaben an die Bevölkerung und die privat Wirtschaft des Landes. Das bedeutet wiederum, je höher die Staatsverschuldung umso höher ist der Wohlstand in der Bevölkerung.

Ein weiterer Punkt bei MMT ist das Exportdefizit. MMT vertritt die Meinung, dass exporte schädlich sind, da im eigenen Land geleistete Arbeit und die eigenen Ressourcen, wie z.B. Stahl, ins Ausland abwandern. Dem entsprechend macht es keinen Sinn zu exportieren aber sehr viel Sinn zu importieren. Als weitere Begründung erwähnt MMT die Tatsache, dass die Importe mit US Dollar bezahlt werden und somit die exportierenden Nationen von der Geldpolitik der USA abhängig machen. Laut MMT besitzen die exportierenden Staaten Konten bei der FED ( Federal Reserve, Amerikanische Notenbank) und können, zum Beispiel, jederzeit ihre Dollars gegen Staatsanleihen tauschen. Da der Staat aber jederzeit genug Dollars drucken kann, ist das kein Problem für die USA.

Zu guter Letzt noch zu Punkt sieben. Da der Staat die Steuern nur erhebt um die Kaufkraft und damit die Inflation zu steuern, kann es nicht sein, dass ein hohes Staatsdefizit heute zu hohen Steuern morgen führt.

 

Ich hoffe ich konnte Euch die Grundgedanken von MMT etwas näher bringen.Ich erhebe dabei in keinster Weise Anspruch auf Vollständigkeit, dass sollte nur ein kurzer Überblick sein.

 

Nun möchte ich auf einige Aussagen eingehen und ein paar kritische Anmerkungen machen.

 

Das erste Problem ist das Erschaffen von Dollars durch einen Knopfdruck seitens des Staates. Das ist so nicht ganz richtig, zumindest in der heutigen Zeit. Der Staat vergibt Staatsanleihen welche wiederum von Banken, Versicherungen, etc. ersteigert werden. Bei den diversen QE s hat die FED auch direkt Staatsanleihen gekauft. ( Die EZB macht das seit Herbst 2019 in Höhe von 20 Mrd. Monatlich) Das bedeutet, dass der Staat einen Käufer für seine Staatsschulden finden muss, ob dieser Käufer staatsnah, wie die FED, ist oder aus dem privaten Sektor kommt ist nicht weiter relevant, Fakt ist, dass der Staat eben nicht auf Knopfdruck Dollars erschaffen kann.

Mich interessiert nicht, wer die Gesetze macht, solange ich das Geld kontrolliere.

Amschel Meyer Rothschild

 

Diese Aussage Rothschilds sollte einem zu denken geben, wenn, laut MMT, der Staat zukünftig seine Dollars wirklich selber drucken kann.

 

Wenn man sich zu Punkt 2 den hier verlinkten Artikel kurz zu Gemüte führt sieht die Realität irgendwie etwas anders aus. Die heutigen Staatsschulden haben keine Auswirkung für zukünftige Generationen, laut MMT. Hätte Deutschland das nur früher gewusst, dann hätte es nicht 92 Jahre gedauert die Kriegsschulden vom ersten Weltkrieg zu bezahlen.

Ein weiterer Einspruch meinerseits zum 3. Punkt. Dort behauptet MMT, dass die Schulden des Staates das Vermögen der Bürger und der Wirtschaft erhöht, da ja die Schulden in Form von Gehältern und Wareneinkäufen in die Privatwirtschaft fliesen. Das klingt logisch und wäre sogar richtig, wenn der Staat dafür eigene Rücklagen verwenden würde. Doch gerade das macht er laut MMT nicht. Der Staat druckt die Dollars die er braucht und erhöht somit die Dollarmenge, was wiederum den einzelnen Dollar entwertet ( Inflation). Um eben dieser Inflation Herr zu werden muss der Staat, laut MMT, nun aber die Steuern anheben. Unterm Strich, ohne es ausgerechnet zu haben, würde ich schätzen, dass durch die Inflation und die erhöhten Steuern, eine nette kleine Enteignung der Bürger stattfindet und die Bürger zwingt mehr zu arbeiten, da sie ja sonst die höheren Steuern nicht bezahlen könnten.

Die Behauptung zu Punkt 4, dass die Renten sicher sind, da der Staat ja jederzeit Dollars drucken kann, halte ich, aus den aus Punkt 3 aufgeführten Gründen, für ein Gerücht. Rein nach den Zahlen auf den Rentenschecks mag das ja stimmen aber was nützen mir 2000.- US Dollar wenn ich damit nicht mal mehr einen Kaugummi kaufen kann.

Jetzt einige Anmerkungen zum Thema Import von Waren. Laut MMT besitzen die exportierenden Nationen ein Konto bei der FED wo die Dollars eben dieser Nationen verwahrt werden. Die exportierenden Nationen, nehmen wir mal Japan als Beispiel, haben nun mehrere Möglichkeiten was mit diesen Dollars passieren soll.

Eine davon ist, dass die Dollars einfach auf dem Konto liegen bleiben. Eine weitere wäre, dass Japan mit diesen Dollars amerikanische Staatsanleihen kauft. Laut MMT ist der Kauf von Staatsanleihen nur eine Verschiebung der Dollars auf ein anderes Konto bei der FED. Vergleichbar mit der Einzahlung auf ein Sparbuch. Die Dollars liegen da einige Jahre herum und werden nach Ablauf der Zeit, mit Zinsen, wieder auf das ursprüngliche Konto zurück überwiesen.

Eine andere Möglichkeit könnte sein, dass Japan seine Dollars gegen Yen wechselt und mit nach Hause nimmt. Zum Schluss könnte es noch sein, dass Japan die Dollars mit nach Hause nimmt um damit Öl zu kaufen, dass ja weltweit in Dollar gehandelt wird.

Nun sehen wir uns einmal an was für Konsequenzen diese Möglichkeiten für Amerika haben.

Solange die Dollars auf einem Konto liegen oder in Staatsanleihen gebunkert werden passiert relativ wenig, da die Dollars ja nicht wirklich in Umlauf sind. Wenn man allerdings die Währungsmenge M3 als Grundlage zur Berechnung der Inflation her nimmt, so würden die Dollars auf dem Konto die Inflation beeinflussen.

Doch was würde passieren, wenn sich Japan dazu entscheidet auf Einkaufstour in Amerika zu begeben. Die Japaner würden somit Güter und Dienstleistungen, welche eigentlich für die Amerikaner vorgesehen waren, in grosser Menge konsumieren und somit ihre ganzen Dollars auf den Markt schmeissen.

Zur Erinnerung, MMT sagt, dass genügend Dollars zur Verfügung stehen müssen um alle Güter und Dienstleistungen zu konsumieren. Weiters sagt MMT, dass sich zuerst der Staat mit den erforderlichen Gütern und Dienstleistungen eindeckt und der Rest wird der Bevölkerung zum Konsum überlassen.

Somit entstehen gleich zwei Probleme. Erstens wird die Restmenge, nachdem der Staat eingekauft hat, durch Japan verringert und steht somit den Amerikanern nicht zur Verfügung. Das bedeutet, dass die Dollars die die Amerikaner besitzen weniger Wert sind also Inflation durch ein Überangebot an Dollars im Verhältnis zu den angebotenen Wahren und Dienstleistungen. Zusätzlich kommen aber auch noch die Dollars der Japaner auf den Markt die ja die Wahren und Dienstleistungen auch bezahlen müssen, ergo noch mehr Dollars und damit noch mehr Inflation. Was laut MMT bedeutet, dass die Steuern steigen müssen.

Für die Amerikaner hätte das zur Folge, dass sie weniger Waren und Dienstleistungen konsumieren könnten, da ein Teil davon die Japaner gekauft haben und als Belohnung dafür höhere Steuern zahlen müssten. „Suboptimal“ trifft es glaube ich nicht wirklich.

Was wäre jetzt, wenn die Japaner die Dollars in Yen wechseln wollen. Nun das ist relativ einfach, da die USA ein Handelsdefizit mit Japan haben, also mehr aus Japan importieren als nach Japan exportieren, besitzt die USA wenig oder keine Yen die sie tauschen könnten. Also müssen sie diese Yen in Japan mit Dollar kaufen um die Japaner auszahlen zu können, vorausgesetzt Japan will Yen für Dollar verkaufen. Auch das macht irgendwie wenig Sinn.

Wenn die Japaner die Dollars zum kaufen von Öl in Saudi Arabien verwenden, entstehen für die USA keine Probleme mit den Japanern, dafür eventuell mit Saudi Arabien...................

So gesehen ist ein Handelsdefizit alles Andere als ein erstrebenswerter Zustand.

Punkt Nummer 6 habe ich, zumindest indirekt, schon in Punkt Nummer 3 behandelt.

Punkt Nummer 7, Die Schulden von Heute erhöhen die Steuern in der Zukunft eben nicht, so zumindest die Meinung von MMT.

Da MMT, wie schon erwähnt, die Inflation über die Steuern regeln will führt sich diese Aussage automatisch ad absurdum. Je mehr Dollars, im Vergleich zu den angebotenen Waren und Dienstleistungen, unterwegs sind desto höher die Inflation und somit die Steuern.

 

So, dass muss genügen. Ich hoffe ich konnte Euch meine Sicht der Dinge darlegen und Ihr konntet etwas mitnehmen.

 

BTW: Mit MMT baut man einen tollen Staat mit vielen Arbeitssklaven die auf Gedeih und Verderb von den Staatslenkern abhängig sind. Ich denke einige Despoten des letzten Jahrhunderts hätten ihre wahre Freude an dem System gehabt.

 

Tschüss Euch

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