COVID 19 geht baden

COVID 19 geht baden

By deZentrale.at | deZentrale.at | 8 Mar 2020


The big Bath / COVID 19 geht baden.

 

Ich bin gestern, Sammstag 7.3.20, über ein Video von Prof. Rieck gestolpert. Herr Rieck ist eine Koryphäe beim Thema Spieltheory. Ohne jetzt weiter auf die Prinzipien der Spieltheorie einzugehen, hat er den Big Bath Effekt erklärt.

 

Unternehmen habe die Möglichkeit, durch legale Bilanztricks, die wirtschaftliche Situation der Firma nach aussen hin gut aussehen zu lassen. Dies geschieht durch das Verschieben von Gewinnen und/ oder Verlusten in einen anderen Abrechnungszeitraum in der Zukunft.

Mit diesen Bilanztricks wird versucht eine möglichst gleichmässige Gewinnsituation zu erreichen.

 

Hier einmal ein kleines Beispiel:

Angenommen im ersten Quartal wurde von einem Auftraggeber ein grosses Bauprojekt abgesagt.

Dies hätte zur Folge, dass die Bilanz im ersten Quartal ziemlich schlecht aussehen würde.

Bei einer Firma die an der Börse gelistet ist, könnte der Aktienkurs, aufgrund der schlechten Zahlen aus Q1, sinken und somit der Firmenwert verringert werden.

Um dem entgegen zu wirken, wird dieser Verlust ins nächste Quartal verschoben also in Q2. Dadurch bleiben die Zahlen in Q1 auf einem brauchbaren Wert und wenn in Q2 alles nach Plan läuft fällt, der Verlust aus Q1 im Q2 nicht so sehr auf. Falls das nicht reichen sollte, kann der Verlust aus Q1 auch auf mehrere nachfolgende Quartale aufgeteilt werden. Damit kann die Firma ihre Zahlen glätten. Wenn wir davon ausgehen, dass unsere Beispielfirma wirtschaftlich stabil und eine solide Auftragslage hat, ist das ganze nicht weiter dramatisch.

Denn am Ende des Jahres steht ein Gewinn zu Buche und dieses Verschieben diente wirklich nur zu Glättung der Zahlen über das ganze Jahr und hielt somit den Börsenkurs stabil.

Doch was passiert bei einer Firma die von Haus aus schon nicht so blendend da steht. Die vielleicht durch vergangene Fehlentscheidungen in Bedrängnis geraten ist. Die keine Innovationen vor zuweisen hat oder schlicht etwas produziert das keiner mehr haben will.

In diesem Fall führen diese Bilanztricks dazu, dass die ganzen, wachsenden, Probleme in die Zukunft verschoben werden und irgendwann nicht mehr vertuscht werden können.

 

Herr Rieck umschreibt es in etwa folgendermassen:

Wenn Jemand auf einem Kiesberg nach unten läuft, so entsteht hinter ihm eine kleine Lawine von herabrollenden Kieselsteinen. Je früher dieser Jemand anhält und sich dem Problem annimmt desto kleiner sind die Folgen. Je später er anhält um so grösser wird das Problem, da sich hinter diesem Jemand eine riesige Lawine aufgebaut hat.

Wenn nun diese Lawine unseren Jemand überrollt spricht man vom Big Bath. Das bedeutet nichts anderes als das alle Angehäuften Schulden, Probleme und Verpflichtungen auf einmal abgeschrieben werden müssen.

Dies zieht oft die Börsenkurse in den Keller und kostet immer Arbeitsplätze.

Dieses Big Bath wird sehr gerne angewendet, wenn Firmen zugekauft werden. So kann man die eigenen Probleme auf die neu gekaufte Firma abwälzen und somit die Schuld der ehemaligen Führung der neuen Firma in die Schuhe schieben. Der neue Besitzer kann somit sein altes und sein neues Unternehmen quasi reseten und behaupten, dass es bei der neu gekauften Firma offensichtlich einige Leichen im Keller gab.

Durch diese Vorgehensweise kann nun die neue Führung bei Null beginnen und wenn alles halbwegs gut läuft im zweiten Jahr nach dem Ankauf bereits Gewinne erwirtschaften und somit hohe Boni einstreiffen. Nach aussen stellt man sich als Retter dar und alle finden es toll.

Das bei diesem Vorgehen eigentlich immer Arbeitsplätze verloren gehen wird dabei natürlich nicht erwähnt. Wichtig ist, dass man den Aktionären verkaufen konnte, dass die alte Führung Mist gebaut hat und durch diese radikalen Einschnitte das Unternehmen gerettet werden konnte............ oder so.

Sehr oft ist ein Big Bath auch bei Führungswechseln zu beobachten, wenn keine neue Firma zugekauft wurde. Auch hier geht es nur darum dem Vorgänger die Schuld geben zu können und vor den Aktionären gut dazustehen.

Alles in Allem ist dieser Big Bath Effekt die Vorstufe zu sogenannten Zombieunternehmen. Wobei die Grenzen vermutlich fliessend sind und viele Zombieunternehmen ausschliesslich wegen Bilanztricks noch nicht hops gegangen sind. In diesem Video erkläre ich was ein Zombieunternehmen ist und was für Folgen so eine Firma für die Wirtschaft hat.

Doch nun zurück zum Thema.

Ich stimme mit Herr Rieck zu 100% überein, wenn er sagt, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten einen Anstieg von Big Bath Effekten erleben werden.

Der Grund dafür ist eine unerwartete Hilfe von Aussen. COVID 19 macht es möglich.

Es werden schon die ersten Stimmen laut, dass der Staat einspringen muss um Umsatzeinbusen zu kompensieren. Stundung der MwSt. Zahlungen oder überhaupt ein Aussetzen der MwSt. Pflicht auf unbestimmte Zeit. Einrichten von Solidaritäts- Fonds und staatliche Garantien.

Kurz, die ersten Firmen pochen auf einen Bailout oder andersrum gesagt, der Steuerzahler muss einspringen.

Für alle Firmen die schon auf wackligen Füssen stehen und bereits vor COVID 19 Probleme hatten ist diese Hilfe von Aussen ein wahrer Segen, mit ein wenig Glück können sich diese Firmen vom Steuerzahler sanieren lassen ohne etwas an ihren Geschäftsmodell zu ändern. Einfach nur Grossartig.

Am 5. März hat die FED ( US. Notenbank) bereits die Leitzinsen um 0,5% gesenkt um den wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID 19 entgegen zu tretten....... es geht schon los........

Das es auch anders geht zeigt eine Firma die Kunstoffschweissgeräte herstellt. Diese Firma hat zur Zeit wenig bis keine Probleme da die Firma vom Ausbruch der SARS und H1N1 Viren gelernt hat.

Die Firma ist im Besitz sogenannter Pandemie Erstausrüstungen, was unter Anderem eine grosse Anzahl Desinfektionsmittel, Atemmasken, etc. beinhaltet.

Die Firma hat auch einen Lagerbestand an essenziellen Bauteilen der für 4 Monate ausreicht. Diese Bauteile sind z.B. elektronische Platinen aus China. Um die Gefahr von Lieferkettenunterbrechungen zu verringern, werden Bauteile die nicht in Europa hergestellt werden und auch nicht leicht an einen anderen Hersteller übertragen werden können auf Vorrat gelagert. Gehäuse Teile aus Kunststoff können relativ leicht von einem anderen Hersteller produziert werden, elektronische Steuerelemente eher weniger.

Die Geschäftsführung dieser Firma hat ihre Hausaufgaben gemacht und aus den vergangenen Pandemien gelernt, sowohl beim Schutz ihrer Mitarbeiter, wie auch im wirtschaftlichen Bereich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Firma nicht nach staatlicher Hilfe rufen muss.

 

Wundert Euch also nicht, wenn in naher Zukunft immer mehr Firmen Unterstützung vom Staat fordern, die wollen sich ja nur sanieren.

 

Wie ich schon in ,meinem letzten Artikel sagte: „ Das Virus ist nicht schuld an der Misere, es zeigt nur die Scwächen auf!! „

In diesem Sinne

 

 

Tschüss Euch

 

 

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